Montag, 20. Juli 2015

Mein neuer Roman: "Die Opferstätte"



In den vergangenen Monaten habe ich intensiv an meinem neuen Roman „Die Opferstätte“ (Arbeitstitel) geschrieben. Die Rohfassung steht jetzt kurz vor der Fertigstellung. Danach wird mich zwar noch eine Menge Textarbeit erwarten, aber das Gröbste ist geschafft. Die Handlung steht, und ich weiß, wie die Geschichte ausgeht. Der Rest ist Fleißarbeit.

Je weiter das Skript voranschritt, desto mehr zeichnete sich ein klassischer Versuchungs-Plot ab. Das wohl bekannteste Werk dieses Genres ist Goethes „Faust“. Der Held fühlt sich emotional leer und strebt nach Sinneslust. Satan (Mephisto) tritt auf den Plan und bietet Faust einen Teufelspakt an, den dieser eingeht. Zunächst fühlt es sich gut an, der Held verspürt in seinem Inneren emotionalen Reichtum. Doch bald erkennt er die Folgen seiner Besessenheit – er stürzt andere (Gretchen) ins Verderben – und bemüht sich um eine Umkehr seines Handelns. Doch dafür ist es zu spät.
 
Der Held der „Opferstätte“ ist der 12-jährige Lukas, der nach dem Tod seiner Mutter von einer tiefen Schwermut getragen ist. Satan tritt in Gestalt eines Messers auf, das dem Jungen die Heilung seiner seelischen Wunden verspricht. Es erfüllt Lukas jeden Wunsch. Doch im Gegenzug verlangt es ein Opfer. Anfangs genügen Tiere. Aber für den größten und entscheidenden Wunsch des Jungen – die Auferstehung seiner toten Mutter – verlangt das Messer ein Menschenopfer: Seine Stiefmutter.
 
So wie Faust, wird auch Lukas von seinen Gefühlen hin- und hergerissen. In seinem Inneren stehen das Gute und Böse in heftigem Widerstreit. Wird Lukas sich der Versuchung hingeben oder ihr widerstehen?
 
Das Ende wird euch überraschen, da bin ich mir sicher. :)
 
Neben der Versuchung als Kernthema, habe ich – wie schon in der „Heilanstalt“ – philosophische Gedanken in den Text eingebaut. Offenbar kann ich nicht anders. *lach*
 
Unter anderem wird die Viele-Welten-Theorie angeschnitten, ebenso die Platonische Ideenlehre. Außerdem wird die Frage aufgeworfen, ob der Mensch über einen freien Willen verfügt oder sein Handeln vorbestimmt ist. Da es sich um eine Versuchungs-Geschichte handelt, werden natürlich auch moralische Überlegungen angestellt.
 
Keine Sorge: Diese Aspekte spielen für die Haupthandlung keine wesentliche Rolle, sie verleihen dem Text nur zusätzliche Tiefe. Sie nehmen auch keinen allzu großen Raum ein, sondern klingen nur stellenweise mit an. Wer mit Philosophie nichts anfangen kann, überliest diese Abschnitte und genießt einfach die Grusel-Show.
 
Denn gruselig ist die Geschichte. So sehr, dass ich in mancher Nacht wach lag und über Lukas heimliche Wanderungen in den Fichtenwald nachdachte, in dessen Tiefen er dem Messer die verlangten Opfer darbringt. Zuweilen geriet der Text so unheimlich, dass ich in meinem Arbeitszimmer das Licht einschaltete, obwohl ich am liebsten im Halbdunkel schreibe.
 
Bald werdet ihr es selbst lesen können. Wenn alles nach Plan verläuft, erscheint das Buch im September. Aber vielleicht solltet ihr den Roman nicht als Bettlektüre verwenden. ;)

Bis bald

Euer Simon